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Auch TelefonSeelsorge von Hochwasser betroffen

 

Alle Mitarbeitenden unverletzt
Erreichbarkeit auch aus den Krisengebieten wird gewährleistet

 

 

Auch auf die Arbeit der TelefonSeelsorge hat sich die Unwetterkatastrophe ausgewirkt. Die Dienststelle Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Standort in Ahrweiler ist nicht mehr zu benutzen. Zur großen Erleichterung aller sind unter den Mitarbeitenden keine Toten zu beklagen. TelefonSeelsorge hat die 24/7-Erreichbarkeit auch in den Krisengebieten sichergestellt. 

Ahrweiler am 15.7.2021

„In unseren über 100 Dienststellen bundesweit erleben wir die Betroffenheit und das Mitgefühl unserer Mitarbeitenden. Wenn vermeintliche Sicherheiten so brutal weggespült werden, wenn viele Todesopfer und existenziell Betroffene zu beklagen sind, rührt das alle zutiefst an“, erklärt Michael Hillenkamp, katholischer Vorsitzender der Evangelisch-Katholischen Kommission (EKK), des bundesweiten Leitungsgremiums der TelefonSeelsorge.
„Und wir sind tief beeindruckt von den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die sich der Sicherstellung der Erreichbarkeit mit bewundernswerter Energie widmen. Sie wollen gerade jetzt für die Menschen da sein.“

Auf der Bundesebene wurde beschlossen, der von der Flut am heftigsten getroffenen  Dienststelle in Bad Neuenahr-Ahrweiler kurzfristig eine größere Summe zur Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Für betroffene Ehrenamtliche, die durch die Flut ihr Hab und Gut verloren haben, werde bei TelefonSeelsorge intern zum Spenden aufgerufen.

„Was wir hier zurzeit erleben, hat sich niemand vorstellen können“, sagt Werner Gross, geschäftsführender Vorstand der TelefonSeelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. „Die Räume sind noch da, aber sie sind bis auf weiteres unbenutzbar. Es gibt weder Strom noch Gas noch Wasser, keine funktionierende Kanalisation, kein Telefonnetz – kurzum, hier kann niemand mehr Dienst machen.“

Trotz des Ausfalls dieser Dienststelle mitten im Krisengebiet bleibt die Erreichbarkeit der TelefonSeelsorge gewährleistet. Denn für den Fall, dass einzelne Dienststellen ausfallen, greift das erweiterte Routing. „Es ist uns ein Anliegen, dass wir bei Ausfällen einzelner Stellen kurzfristig einspringen können“, erklärt Andrea Arndt, Routingbeauftragte für die Region Rheinland. „Zurzeit ist es so, dass Anrufe, die aus Bad Neuenahr-Ahrweiler getätigt werden, in die Region Rheinland weitergeleitet werden, sodass eine höhere Erreichbarkeit entsteht.“

Auch in Hagen war die Dienststelle von der Flutkatastrophe betroffen. „Die Zufahrtsstraßen waren keine Straßen mehr, sondern mehr oder weniger reißende Wasserläufe“, konstatiert Birgit Knatz, Leiterin der TelefonSeelsorge Hagen-Mark. „Und dennoch haben sich viele unserer Ehrenamtlichen zu uns durchgeschlagen – teils auf abenteuerliche Weise. Sie wollten in dieser Katastrophe unbedingt für die Menschen da sein.“

Während sich auch hier die Zahl der Anrufenden, die über die Flutkatastrophe sprechen wollen, bisher noch in Grenzen hält, sind es einzelne Anrufe oder Chats zum Thema, die erahnen lassen, wie es in vielen Menschen aussieht.

„Wir hatten Anrufe von Menschen, die gerade noch ihre Haustiere aus dem Garten retten konnten; Chats mit Menschen, die Angehörige oder Freunde in den Hochwassergebieten vermutet haben oder sie dort in Rettungseinsätzen wussten und wir wissen von vielen, die zwar nicht selbst betroffen, aber tief bewegt sind von den Schicksalen ihrer Mitmenschen in den am schlimmsten betroffenen Gebieten“, schildert Birgit Knatz. „Sehr berührt hat mich auch ein Anrufer, in dem durch die Flutkatastrophe die Erinnerungen an eine frühere Katastrophensituation hochkamen, die ihm jetzt sehr zu schaffen machen. Dieses Hochwasser löst wirklich viel aus.“

Derweil ist die Dienststelle in Ahrweiler ist bereits mit dem Aufbau einer Infrastruktur in kurzfristig zur Verfügung gestellten Räumen befasst. „Wir hoffen, die Notrufnummern schon in dieser Woche zumindest stundenweise wieder besetzen zu können“, sagt Werner Gross. „Das ist unseren Mitarbeitenden ein echtes Anliegen. Sie sagen zurecht, dass sich kaum jemand besser in die Lage der Menschen hier einfühlen kann als sie, die die Katastrophe hautnah miterlebt haben.“

 

Dernau in der Region Bad Neuenahr-Ahrweiler am 15.7.21

Die Dienststelle hat ein Spendenkonto eingerichtet: „Wir haben zwar keine Toten zu beklagen, aber wir haben Mitarbeitende, die buchstäblich nur noch das besitzen, was sie am Leib tragen. Sie wollen wir damit unterstützen“. Wer für die betroffenen TelefonSeelsorge-Ehrenamtlichen spenden möchte, kann das hier tun: TelefonSeelsorge Ahrweiler e.V., IBAN: DE49 5775 1310 1000 5632 86, BIC: MALADE51AHR, Verwendungszweck: Wiederaufbau Mitglieder TS-Ahrweiler. Gemäß einer aktuellen Verfügung des Landes Rheinland-Pfalz reicht bis zum 31.10.2021 der Einzahlungs- / Überweisungsbeleg als Nachweis aus, eine Spendenquittung ist nicht erforderlich.

„TelefonSeelsorge ist insgesamt gut aufgestellt, um auch in solchen Katastrophen eine Anlaufstelle sein zu können“, resümiert Frank Ertel, evangelischer Vorsitzender der EKK. „Aber natürlich sind wir in Sorge, dass solche klimabedingten Ereignisse zunehmen könnten und wir das nächste Mal vielleicht schwerer getroffen werden könnten. Das Thema wird bei uns auf der Agenda bleiben.“

Die Abbildungen hat die TelefonSeelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler zur Verfügung gestellt.