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Hinweis für medialen Umgang mit Suiziden

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Öffentliches Interesse,  Persönlichkeitsschutz und Werthereffekt

Liebe Medienvertreter,

wer den Pressekodex kennt, weiß dass Berichterstattung über Suizide und Suizidalität heikel sind, weil dem öffentlichen Interesse der Persönlichkeitsschutz der betroffenen Person entgegensteht.

Pressekodex: Richtlinie 8.7 – Selbsttötung
Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände.

Der Pressekodex zielt auf den Persönlichkeitsschutz ab, der höher gewertet wird als das öffentliche Interesse (auch von der deutschen Gesetzgebung). Darüber hinaus gibt es einen Effekt auf jene Personen, die sich ein Vorbild an medial präsenten Menschen nehmen. Ist der positiv, spricht man vom Papageno-Effekt, führt die Berichterstattung zur Nachahmung, vom Werthereffekt.

Der Werthereffekt

Benannt wurde dieses Verhalten nach dem Roman von Goethe, in dem sich der junge Werther aus lauter Leidenschaft und Liebesverzehren das Leben nimmt. So deutlich beschrieben, führte es zu Nachahmungstaten von begeisterten Verehrern der Romanfigur. Die romantisierte Darstellung erschien verlockend. Inzwischen ist nachgewiesen, dass romantisierende, verherrlichende oder nur sehr ausführliche Beschreibungen von Selbsttötungen zur Nachahmung führen können. Menschen, die bereits in einer suizidalen Stimmung sind, könnten durch so eine Berichterstattung den letzten Anstoß erhalten, ihren Gedanken Taten folgen zu lassen.

Daher sind Journalisten und Blogger in der Pflicht, romantisierende oder verherrlichende Darstellungen von Suiziden zu vermeiden. Darüber hinaus ist eine detaillierte Darstellung ebenfalls zu unterlassen.

Papagenoeffekt und Aufklärung

Berichterstattung kann jedoch auch positive Effekte haben. Zum einen gibt es da den Papageno-Effekt, der nach der gleichnamigen Figur aus Mozarts Zauberflöte benannt ist. Die Geschichte handelt von einer Person, die allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz, letztendlich glücklich werden darf.

Berichten die Medien beispielsweise über positive Lebensverläufe, auch von Menschen, die einmal suizidal waren, benennen Anlaufstellen und potenzielle Auswege, so kann sie aktiv suizidale Aktionen verhindern. Studien haben gezeigt, dass nach entsprechend hoffnungsvollen Berichten die Zahl der Suizide kurzzeitig zurückgegangen ist.

Angehörige

Bei der Berichterstattung über Suizide ist immer auch zu bedenken, dass es Angehörige gibt, die mit den Folgen der Berichterstattung leben müssen. Es  gebietet der respektvolle Umgang mit der Trauer dieser Menschen, dass die Privatsphäre dieser Menschen gewahrt wird und Ferndiagnosen vermeintlicher Experten ausbleiben.

Leitlinien zur Berichterstattung bei Suiziden

Angesichts der komplexen Zusammenhänge und Folgen für betroffene Personen, haben wir Ihnen eine Liste verschiedener Handreichungen und Empfehlungen zusammengestellt, an denen Sie sich bei ihrer Berichterstattung orientieren können:

Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Nationales Suizidpräventionsprogramm (NaSPro) und der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS)

Nationales Suizidpräventionsprogramm (NaSPro) und der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) und jugendschutz.net

Fair-Media. Aktionsbündnis Seelische Gesundheit