TelefonSeelsorge in Deutschland

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Konzeption der Beratung und Seelsorge im Internet


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Das Angebot der Telefonseelsorge im Internet

Die TelefonSeelsorge im Internet ist über die zentrale Homepage von "www.telefonseelsorge.de" für Seelsorge und Beratung per Mail oder Chat erreichbar.

Dabei kann TelefonSeelsorge inzwischen auch im Internet auf langjährige Erfahrung mit ihrem Seelsorge- und Beratungsangebot zurückschauen. Schon 1995 waren einzelne Stellen der TelefonSeelsorge mit einem Beratungsangebot im Internet vertreten. Damit gehört die TelefonSeelsorge zum ältesten Beratungsdienst im deutschsprachigen Internet.

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Internet als Möglichkeit, Menschen zu erreichen

Das Internet als Informations- und Kommunikationsplattform eröffnet auch für Beratung und Seelsorge neue Möglichkeiten. So bieten bereits seit einigen Jahren einzelne Seelsorgerinnen und Seelsorger, aber auch Initiativen und Organisationen der Evangelischen und Katholischen Kirche Internetseelsorge an. Landeskirchen, Bistümer und bundesweite Einrichtungen sowie wir als ökumenische TelefonSeelsorge sind mit Beratung und Seelsorge im Internet präsent.
Das Internet ist kein Medium, sondern verbindet vielmehr unterschiedliche Medien (Schrift, Bild, Ton / zeitgleich oder zeitversetzt) in einer gemeinsamen technischen Plattform. Deshalb verbirgt sich hinter dem Begriff "Internetseelsorge" sehr Unterschiedliches. Internetseelsorge bedeutet verschiedenste Angebote der Beratung und Seelsorge im Internet, die in Präsentation, Zielgruppenorientierung und medialer Ausgestaltung sehr differieren: So gibt es Beratung und Seelsorge per E-Mail, Chat und in Foren.
Gerade die unterschiedlichen Formen der Beratung und Seelsorge im Internet können dabei als Chance verstanden werden, die verschiedensten Menschen mit ihren je eigenen, vielfältigen Problemen zu erreichen.

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Niederschwelligkeit ist zentrales Konzept

1953 wurde in London ein Pfarrer auf die steigende Zahl von Suizidversuchen und Selbsttötungen aufmerksam. Er bot seine Telefonnummer in Zeitungsinseraten an, um diesen Menschen doch noch ein Gespräch, ein Angebot zur Hilfe in ihrer Verzweiflung geben zu können. Das war der Beginn der TelefonSeelsorge. Aus entsprechenden Motiven wurden auch Mitte der 50er Jahre die ersten TelefonSeelsorge-Stellen in Deutschland gegründet.
Das Telefon war dabei für die TelefonSeelsorge seit ihrer Gründung das zunächst einzig mögliche Mittel, um niederschwellige Hilfe anbieten zu können.

Inzwischen entstand durch das Internet mit seinen medialen Möglichkeiten ein noch niederschwelligeres Hilfsangebot. Es können sich nun auch Menschen an die TelefonSeelsorge wenden, die sich nicht in der Lage fühlen, über ihre Probleme zu sprechen und ihre Stimme preiszugeben, die aber in Schriftform nach Worten suchen.
Dabei kann die mediale Weiterentwicklung bedeuten, in neuer und noch weniger durch Hemmungen belasteter Weise die ursprüngliche Zielsetzung zu realisieren, "hilflosen und verzweifelten Menschen durch die TelefonSeelsorge vertrauliche und unentgeltliche Hilfe" anzubieten.
TelefonSeelsorge im Internet verstehen wir so als konsequente Weiterentwicklung des Hilfsangebotes bei neuen technischen und medialen Möglichkeiten.

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Anonymität auf beiden Seiten gehört zum Konzept

Die inhaltlichen Konzepte von Beratung und Seelsorge im Internet unterscheiden sich zum Teil sehr stark voneinander. Viele Internetseelsorger/innen geben sich als Person zu erkennen, indem sie ein Kurzprofil ihrer Person - zum Teil mit Foto - auf ihre Homepage setzen.
Es gibt aber auch das Konzept der beidseitigen Anonymität, wie es von der TelefonSeelsorge im Internet praktiziert wird. Die Mitarbeiter/innen der TelefonSeelsorge bleiben - analog zu ihren Grundsätzen am Telefon - bei ihrem Seelsorgekontakt im Internet anonym. Besonders für Menschen mit sehr starken traumatischen Erlebnissen ist es häufig leichter, sich an eine anonym arbeitende Einrichtung zu wenden, da die betreffenden Themen und schwerwiegenden Erfahrungen sehr oft mit großer Scham besetzt sind.

Die Anonymität von Ratsuchenden UND Berater/innen bietet hier die Möglichkeit, selbst Menschen mit großen Kontaktschwierigkeiten anzusprechen, denen es schwer fällt, sich einem konkreten Gegenüber zu öffnen. So geschieht es, dass Ratsuchende zurückmelden, dass ihnen die zweite Mail zu schreiben viel schwerer fiel, weil sie jetzt eine/n konkrete/n Berater/in vor sich haben.
Mit dem Konzept der beidseitigen Anonymität werden also auch Menschen angesprochen, die sich nicht an die telefonische Beratung wenden und die ein Seelsorgeangebot im Internet mit einer persönlichen Beschreibung des Beraters / der Beraterin meiden würden.
Genau wie die "TelefonSeelsorge am Telefon" will auch das Angebot "TelefonSeelsorge im Internet" nicht für jeden Menschen voll genügend sein. Ein persönlicher Kontakt mit Menschen ("face to face") kann dadurch nicht ersetzt werden. Auch kann dieser Dienst keine persönliche Beratung und Psychotherapie ersetzen.
Es können aber im anonymen Internetkontakt erste Schritte entdeckt werden, die zu neuen Wegen führen, um zum Beispiel einen Erstkontakt zu einer helfenden Einrichtung zu wagen oder mit Freunden oder Seelsorger/innen über tabuisierte Themen ins Gespräch zu kommen.

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Essentials: Grundsätze der Telefonseelsorge

Die Ausformung der TelefonSeelsorge im Internet entspricht in den zentralen Punkten der Beratungstätigkeit am Telefon entsprechend ihren Grundsätzen am Telefon:
Seit über 50 Jahren ist die mediale Beratungskompetenz der TelefonSeelsorge gewachsen und allgemein anerkannt. Seit 1997 ist der Name der TelefonSeelsorge auch markenrechtlich geschützt. Die TelefonSeelsorge in Deutschland hat für ihr Beratungsangebot im Internet die bewährten TelefonSeelsorge-Essentials übertragen:

  • Verschwiegenheit
  • Anonymität
  • Keine Begrenzung auf spezifische Beratungsthemen
  • Kompetenz in medialer Beratung und Seelsorge
  • Beratung durch ausgebildete und medienspezifisch fortgebildete TelefonSeelsorger/innen
  • Begleitende Supervision für die TelefonSeelsorger/innen
  • Erst-Antwort möglichst innerhalb von 2 Tagen
  • Institutionelle Bindung an TelefonSeelsorge-Stellen vor Ort
  • Weltanschauliche Offenheit

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Theologische Dimension

Mit dem Engagement der TelefonSeelsorge im Internet verbindet sich eine theologisch-spirituelle Dimension. Auch diese soll kurz umrissen werden:

  • TelefonSeelsorge im Internet verortet sich an der Schnittstelle von Diakonia und Martyria. Die erstaunliche Offenheit, sich im geschützten Kontakt auch tabuisierten existenziellen und religiösen Fragen zu nähern, belegt die Wichtigkeit und den Seelsorgecharakter dieses Dienstes.
  • TelefonSeelsorge macht im Internet -wie am Telefon- die Erfahrung, dass das Äußerste an Begegnungsmöglichkeit das Teilen von Leid und das Mit-Aushalten von Leid sein kann.
  • In einer Zeit, in der Medien Intimes oft in schamloser Weise verbreiten, wird der Bedarf nach geschützter, dabei zuverlässig-echter, also nach "schamhafter" Begegnung wachsen. So gesehen steht die Nutzung des Angebotes der TelefonSeelsorge im Internet in guter kirchlicher Tradition und Nachbarschaft: das Ermöglichen von geschützter Begegnung wie im Seelsorgegespräch oder in der Beichte.
  • In vielen E-mail-Anfragen wird ein Schrei nach Hoffnung und Zukunft spürbar. Die Erfahrung persönlicher Wertschätzung kann Ratsuchenden ermöglichen, Selbstachtung und Zukunftsperspektive zurück zu gewinnen. In diesem Kontext leistet die TelefonSeelsorge im Internet einen diakonischen Dienst.
  • Menschen suchen Orte, an denen das heute tabuisierte Thema "Glaube an Gott" ansprechbar ist. Das Internet scheint ein behutsam-vorsichtiges Antippen dieser Frage zu ermöglichen, gerade im Kontext existentieller Lebensnöte. Hier vollzieht TelefonSeelsorge einen kirchlichen Martyria-Dienst. Das gute Wort Gottes kann hier Menschen wieder aufrichten.

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Qualitätsstandards

Die Qualitätsstandards der TelefonSeelsorge, die am Telefon gelten, haben auch ihre Gültigkeit in der Beratung im Internet:
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen haben alle mehrjährige Erfahrungen in der telefonischen Beratung. Sie wurden somit zunächst für den Telefondienst ausgewählt und ausgebildet und danach in ihrem Telefondienst supervisorisch begleitet und weitergebildet.
Für die Beratung im Internet werden die Mitarbeiter/innen wiederum spezifisch ausgebildet und ebenfalls supervisorisch begleitet und weitergebildet. Die Aus- und Weiterbildung wird dabei von hauptamtlichen Mitarbeiter/innen der TelefonSeelsorge gewährleistet.

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Vertraulichkeit und Anonymität auch im Internet

Die TelefonSeelsorge in Deutschland hat sich seit der Digitalisierung des Fernsprechverkehrs immer sehr für den Datenschutz eingesetzt. Auch vor den Gefahren einer ungeschützten Internetnutzung hat sie immer gewarnt und deshalb in der Vergangenheit die Verschlüsselung der E-Mails durch PGP angeboten. Nur sehr wenige Ratsuchende konnten damit jedoch umgehen, weil dies technischer Kenntnisse bedarf. Schließlich ist es Menschen in einer seelischen Krise kaum zuzumuten sich mit Datenschutz und Technik auseinanderzusetzen, bevor sie eine vertrauliche Beratung erhalten können.
Darum ist die TelefonSeelsorge im Internet stolz darauf, dass sie nun auch für ihr eigenes Angebot der Mail-Beratung ein umfassendes Sicherheitskonzept realisiert hat. Innerhalb dieses Sicherheitskonzepts wird auf das Versenden von E-Mails völlig verzichtet. Denn E-Mails stellen generell ein zu großes Sicherheitsrisiko dar. Stattdessen verbleibt der gesamte Beratungskontakt auf dem Server der TelefonSeelsorge im Benutzer-Service-Zentrum (BSZ) der Evang.-Luth. Landeskirche Hannovers.
Ratsuchende können sich dort anonym einen Beratungs-Account anlegen, ohne ihre E-Mail-Adresse angeben zu müssen. Die gesamte Kommunikation wird automatisch verschlüsselt durch ein offizielles SSL-Zertifikat, das auch die Authentizität der TelefonSeelsorge bestätigt. Dieses Zertifikat entspricht den hohen Anforderungen nach dem Signaturgesetz.
Details des umfassenden Sicherheitskonzepts sind nachzulesen unter: www.sewecom.de/telefonseelsorge/sicherheitkonzept

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Zentrale Koordinationsstelle

Die Abkürzung www für World Wide Web verweist darauf, dass der Zugang zu einem anonymen Beratungsangebot der TelefonSeelsorge im Internet aus der ganzen Welt möglich ist und zumindest auf der Nutzerseite eine lokale oder diözesane / landeskirchliche Begrenzung nicht durchführbar ist.
TelefonSeelsorge hat daher von Anfang an Wert darauf gelegt, nur über eine einzige Zugangsadresse für Ratsuchende im Internet erreichbar zu sein. Zugriff auf dieses Postfach hat die zentrale Fach- und Koordinierungsstelle der TelefonSeelsorge im Internet. Mit der Einrichtung dieser Stelle und des zentralen Posteingangs werden folgende Ziele verfolgt:

  • Sicherung der Qualitätsstandards der Institution TelefonSeelsorge
  • Ausschluss bzw. Reduzierung von Mehrfachnutzung (es ist durch einfachen Mausklick möglich, dieselbe Beratungsanfrage an beliebig viele verschiedene Adressen zu versenden und damit Arbeitskapazitäten unnötig zu blockieren).
  • Weiterverteilung der eingegangenen Beratungsanfragen an die mitarbeitenden TS-Stellen
  • Dadurch Ermöglichung thematischer Schwerpunktbildung und Berücksichtigung lokaler und regionaler Bezüge bei den Anfragen
  • Pflege der Homepage
  • Sicherstellung der regelmäßigen Briefkastenleerung und Überblick über Bearbeitungslaufzeiten

Da zahlreiche TelefonSeelsorgestellen ein vernetztes Angebot in der Mail-Beratung machen, gibt es keine Schwierigkeiten, Krankheits- und Urlaubszeiten zu überbrücken. Engpässe in einer Stelle können durch zusätzliche Mail-Abnahmen in anderen Stellen ausgeglichen werden. Für den reibungslosen Ablauf und die Koordination sorgt die Fach- und Koordinierungsstelle.
Gerade die große Zahl von über 7.000 in Gesprächsführung ausgebildeten ehrenamtlichen TelefonSeelsorger/innen und 350 Hauptamtlichen in 105 Stellen stellt eine Ressource dar, um der ständig wachsenden Nachfrage an Internetberatung entgegenkommen zu können.

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Kontakt

Fach- und Koordinierungsstelle der TelefonSeelsorge im Internet
E-Mail: telefonseelsorge.koordination@evlka.de

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Unterschiedliche Einrichtungen der Internetseelsorge

Es erscheint u.E. angeraten zu sein, das differierende und sich ergänzende Angebot der unterschiedlichen Einrichtungen der Internetseelsorge aufeinander abzustimmen.
Die unterschiedlichen Akzentuierungen der Angebote könnten in einem eigenen Portal dargestellt werden. So kann dem großen und unterschiedlichen Bedarf an Information, Beratung und Seelsorge begegnet werden.
Auch eine zusätzlich lokale Darstellung wäre dabei möglich. Orientierungshilfen in diesem Sinne sind notwendig, um die jeweiligen Bedürfnisse mit den bestehenden Angeboten zielgerichtet zusammenzubringen.
Sowohl die unterschiedlichen medialen Bedingungen (Chat, E-Mail,...) als auch die verschiedenen konkreten Ausformungen des Angebots können sehr unterschiedlichen Menschen mit verschiedensten Problemen Zugänge zu Beratung und Seelsorge verschaffen.
Gerade ein differenziertes Angebot im Internet kann den Anforderungen an Beratung und Seelsorge in einer differenzierten Gesellschaft angemessen entgegenkommen.

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Ausblick: Beratung und Seelsorge im Internet

Die Entwicklung der Medienplattform Internet mit ihren unterschiedlichen Kommunikationsformen ist rasant. Brauchte das Telefon noch viele Jahrzehnte, bis es allgemeine Verbreitung erlangte, wurde z.B. das Faxgerät in viel kürzerer Zeit zum alltäglichen Kommunikationsstandard in vielen Bereichen. Es ist abzusehen, dass das Internet in noch kürzerer Zeit zum Alltag der meisten Menschen in unserer Gesellschaft gehören wird.
So wäre es eine verpasste Chance der TelefonSeelsorge, wenn sie Menschen in Krisen nur über eine spezielle Kommunikationsform (das Telefon) ansprechen würde. Schließlich ist das Telefon nicht Subjekt der Seelsorge. Das Telefon war von Anfang an nur Mittel zum Zweck: Menschen in Not möglichst niederschwellig zu erreichen.
Die steigenden Zahlen der Nachfrage zeigen außerdem deutlich, wie wichtig Beratung und Seelsorge im Internet ist. Auf diese Weise kann Menschen in Krisensituationen und mit unterschiedlichen Problemen geholfen werden neue Wege zu finden.
Die TelefonSeelsorge im Internet befindet sich wie die TelefonSeelsorge vor 50 Jahren insgesamt in einem Aufbruch. So wie damals das Telefon als Hilfsmittel für Menschen in schwierigen Situationen erkannt wurde, so ist die TelefonSeelsorge im Internet am Anfang einer Entwicklung, mittels eines neuen Mediums Menschen neue Wege zu ermöglichen.

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